Nach 30 Jahren Suspendierung wieder im Dienst der Kirche

Schon im Himmel?

"Wir sind schon im Himmel, nur sehen wir es noch nicht", zitierte beim Festgottesdienst zum Allerheiligentag Kardinal Schönborn das Wort eines Priesters, den er nach 30-jähriger Suspendierung wieder in den Dienst der Erzdiözese Wien aufgenommen hatte. Der Geistliche hatte 1969 den priesterlichen Dienst verlassen, am 1. November 1999 wurde seine Suspendierung von Schönborn aufgehoben. (Kathpress Wien 2.11.1999)

30 Jahre sind eine lange Zeit. Da kommt schon allerhand vor. So hat dieser Priester N.N. damals - wie so viele - geheiratet. Und ein - inzwischen erwachsenes - Kind aus dieser Beziehung. Doch die Sehnsucht nach dem Priesteramt lebt weiter. So trennen Mann und Frau sich. Die Kirchenleitung aber läßt sich Zeit. Derweil geht der Herr mit der Freundin seiner früheren Ehefrau eine neue Ehe ein, die auch einige Jahre hält. Doch die Sehnsucht nach dem Priesteramt lebt weiter. Und so wird ein zweites Mal eine Ehe geschieden.

Nachdem der "Reuige" seinem sündhaften Lebenswandel abschwört - und die beiden Frauen wieder befreit sind, wird er gleich mit der Amtseinsetzung belohnt. Ist es da nicht angebracht zu sagen: "Wir sind schon im Himmel, nur sehen wir es noch nicht?" Belohnt wird aber nur, wer sich nie bemüht hat, die Ehe auch kirchlich zu regeln. Die sakramentale Ehe scheint demnach etwas Sündhaftes für den Priester. Nicht aber mehrere "weltliche" Ehen. Müßte man da dem Papst nicht dankbar dafür sein, daß Laisierungen so lang hinausgeschoben werden?