Buchrezension: Heid, Zölibat in der frühen Kirche

Stefan Heid – Zölibat in der frühen Kirche – Die Anfänge einer Enthaltsamkeitspflicht für Kleriker in Ost und West – Verlag Ferdinand Schöningh – Paderborn – 3. Auflage 2003 – ISBN 3-506-73926-3 – 29,90 €.

Hinweis: Dieses Buch gibt es auch in englischer und polnischer Sprache.

Das Ziel des Buches wird schnell klar: Die Zölibatsverpflichtung soll verherrlicht werden. Dazu listet Heid mit großem Fleiß alles auf, was vor allem bis ins 5. Jahrhundert an positiven Stimmen für den Zölibat in sehr unterschiedlichen Formen in der antiken Literatur zu finden ist. Dafür werden die Gegner einer Zölibatsverpflichtung eher draußen vor gelassen. Bekannte und auch weniger geläufige Bibelstellen werden so umgedeutet, dass sie für den Zölibat zu sprechen scheinen. Unsichere Überlieferungen wie die Paphnutius-Legende deutet Heid gleichsam um. Schließlich entsteht der Eindruck, dass die Zölibatsverpflichtung die selbstverständlichste aller christlichen Tugenden sei.

Es fällt auf, dass gleich auf der ersten Seite eine fast polemische Bemerkung gegen das Buch „Priester dürfen heiraten“ von HJ Vogels zu lesen ist. Mir liegt ein Briefwechsel zwischen HJV und Heid vor. Darin vermag Heid kaum auf die kritischen Einwände von Vogels einzugehen. Das Buch ist nicht einfach zu lesen. Es setzt eine gewisse Grundkenntnis der Geschichte der Christenheit in den ersten Jahrhunderten voraus; ersatzweise kann man natürlich auf dem Computer Wikipedia nebenher laufen lassen und alles nachlesen, was an Personen und Texten zitiert wird. Die Lektüre ist auch dadurch erschwert, dass Zitate in Griechisch und Latein, ebenso wie die moderner Autoren in Englisch und Französisch meistens nicht übersetzt werden.

Ich halte es jedoch für unverzichtbar, sich mit diesem Buch ernsthaft auseinander zu setzen. Wer die Argumente der Befürworter des Zölibats nicht kennt, kann nicht wirkungsvoll dagegen argumentieren.

Wilhelm Gatzen, im August 2011