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Ein erstes Resümee des 2. Ökumenischen Kirchentages

Der 2. Ökumenische Kirchentag in München ist Geschichte - ein 3. Ökumenischer Kirchentag ist aber (leider) noch nicht in Sicht. Aber fest steht, dass es im Kirchenvolk (hauptsächlich dem katholischen) rumort. Unzufriedenheit und Unmut über das Gebaren der Kirchenleitung im Umgang mit den Missbrauchsfällen, mit überfälligen Reformen und nicht zuletzt mit dem Anliegen der Ökumene waren lauter und unmissverständlicher als je zuvor zu hören und zu spüren. Die Kirche wurde bis in ihre systematische Struktur hinein in Frage gestellt.

Einmal mehr konnte man auch erleben, dass die Basis in Sachen Umgang mit der Ökumene weiter war als die kirchliche Ideologie und Hierarchie. Die Begegnung zwischen den Konfessionen geschah unkompliziert und auf Augenhöhe - nichts war davon zu spüren, dass sich das Volk der katholischen Doktrin anschloss, die anderen Konfessionen nicht als "Kirchen im eigentlichen Sinne" anzuerkennen. Im Gegenteil: die Gemeinsamkeiten und die Zusammengehörigkeit wurden betont und ein gemeinsames eucharistisches Mahl aller Konfessionen gefordert. So feierten alle Konfessionen eine gemeinschaftliche Agapefeier unter der Leitung der orthodoxen Kirche - und auch die offiziell untersagte gemeinschaftliche Eucharistiefeier von katholischen und evangelischen Christinnen und Christen fand dennoch statt unter der Leitung eines pensionierten evangelischen Pastors und des wegen ebendieses Deliktes beim 1. ÖKT vor sieben Jahren in Berlin suspendierten katholischen Priesters und Professors Gotthold Hasenhüttl.

Das Skandalthema der Missbrauchsfälle war auch in München omnipräsent - und es nährte die Hoffnung, dass sich die katholische Kirchenleitung durch dieses Beispiel zu einem offeneren und ehrlicherem Umgang auch mit anderen Tabuthemen bewegen lässt. Reformen wie ein Ändern der Zölibatsregelung, der Zugang zu Ämtern für Frauen, die Erweiterung der Kompetenzen für (hauptamtliche) Laien in den Gemeinden oder eine grundlegende Neuausrichtung des Priesterbildes wurden immer wieder gefordert, gerade von vielen enttäuschten und frustrierten Gemeindechristinnen und -christen, die ihrer Kirche trotz aller Vorkommnisse nicht nur in der jüngsten Zeit nach wie vor die Treue halten. "Auftreten statt Austreten" lautete denn auch das trotzige und dennoch nicht hoffnungslose Motto vieler Katholikinnen und Katholiken, die ihre Kirche noch immer nicht abschreiben wollen, obwohl sie ihnen durchaus Gründe dafür liefert.

So wird es endlich Zeit, dass die Bischöfe (nicht nur die deutschen, sondern alle - bis hin zum Bischof von Rom) begreifen, dass diejenigen, die nach Veränderungen und Erneuerung in der Kirche rufen, nicht gegen diese agieren, sondern sich für sie einsetzen; dass sich nicht eine andere Kirche wollen, sondern diese Kirche anders! Wer sich für das kircheneigene Leitwort "ecclesia semper reformanda" (man könnte es auch mit Johannes XXIII. sagen: das "Aggiornamento") einsetzt und in der Kirche bleibt, der verdient es, beachtet, gehört und als Dialogpartner respektiert zu werden - und nicht verdächtigt zu werden als irgendwie gearteter "Feind der Kirche", wie dies neokonservative ultramontanistische Gruppierungen gerne tun. Denn solchen Menschen, die trotz aller Kritik an der Kirche an dieser festhalten, liegt die Kirche wahrlich am Herzen, weil der christliche Glaube ihre geistige und geistliche Heimat ist und sie die Kirche (wieder) als glaubwürdiges Sprachrohr des Evangeliums sehen möchten. Wie viele gutwillige und kritisch-engagierte Christinnen und Christen es insbesondere in der katholischen Kirche gibt, haben die Tage in München gezeigt - ein kostbares Gut, das die Kirche nicht aufs Spiel setzen und verlieren darf!