Die VkPF im Überblick

1. Ökumenischer Kirchentag in Berlin

Berlin ist eine Reise wert. So mag es wohl sein, wenn man beabsichtigt, diese Stadt und ihre Menschen kennenzulernen. Wir, die Initiativgruppe vom Zölibat betroffener Frauen, hatten wenig Zeit, um uns tatsächlich mit Leib und Seele darauf einzulassen. Es galt, unsere Gruppe während des Ökumenischen Kirchentages publik zu machen und Ansprechpartnerinnen für betroffene Frauen zu sein.

Schwer bepackt, aber voller Tatendrang trafen wir in Berlin ein. Kurz nach der Ankunft begannen wir mit den Vorbereitungen fur den Abend der Begegnung. Unter den Linden, nicht weit vom Brandenburger Tor entfernt, hatten wir unseren Stand. Dieser musste aufgebaut werden und zudem ansprechend auf die Besucher wirken. Früher als erwartet waren wir mit der Arbeit fertig.

Ausgestattet mit Infomaterial wie: „Ein Sprung in der Kette“ etc. machten wir dort auf uns aufmerksam. Schon am ersten Abend fiel auf, wie interessiert die Besucher sich zeigten. Fragen über Fragen, die oft in Diskussionen ihre Fortsetzung fanden, forderten unsere ganze Aufmerksamkeit. Vom verletzenden Spott bis zum bejahendem Verständnis unterschieden sich die Meinungen der Leute. Dabei überwog in aller Deutlichkeit das Entsetzen über die noch bestehende Verpflichtung.

Auch die Presse ließ sich blicken. Einige Frauen gaben Auskunft über Sinn und Zweck unserer Gruppe. Aus Erfahrung mit den Medien war uns bekannt, mit welcher Vorsicht hier jede Aussage abzuwägen war. Vorsicht deshalb, um die Betroffenheit, die Tragik und das unendliche Leid der Frauen nicht als „Dornenvögel-Geplänkel“ in den Medien wiederzufinden.

Am zweiten Tag zogen wir mit Sack und Pack in die Messehalle. Dort teilten wir uns den zugewiesenen Stand mit der ,,Vereinigung kath. Priester und ihrer Frauen“. Auch hier klappte der Aufbau schneller als erwartet. Jetzt waren wir bereit für alle die, die informiert werden wollten. Aber auch bereit fur die Menschen, die zunächst zurückhaltend reagierten.

Erstaunt stellten wir fest, dass die Resonanz schon in den ersten Stunden alle Erwartungen übertraf. Besonderes Interesse fand die Unterschriftensammlung der Vereinigung. Dabei ging es um eine ethische Minimalforderung, die sich an die Deutsche Bischofskonferenz richtet. Auf einem Infoblatt wurde zusammenfassend die Entstehung, die Entwicklung und die Problematik der Zölibatsverpflichtung dargestellt. Die Minimalforderung, die deutlich am Ende der Erklärung stand, konnte mit einer Unterschrift der Kirchentagsbesucher unterstützt werden. Dreitausend Unterschriften wurden gebraucht. Es gab viel zu tun. Selbstverständlich unterstützten wir die Vereinigung bei der Aktion. Zumal unsere Anliegen keinen Millimeter von ihren Forderungen abweichen. Die Unterschriftenaktion lief. Menschen beider Konfessionen beteiligten sich daran. Es war schon beruhigend festzustellen, dass nicht nur Betroffene ihr Entsetzen zum Ausdruck brachten.

Viel Aufmerksamkeit fanden Elisabeths Bücher. Unermüdlich beantwortete sie Fragen und trug mit liebevoller Hingabe zur Aufklärung bei. Die „Moritat zum Zölibat“ sowie die „Priesterhochzeit“ (beides vorgetragen von unserer Gruppe), brachte an allen Tagen so richtig viel Schwung in den Tagesablauf. Begleitet von Gitarrenklängen, zudem mit viel Humor vorgesungen, endeten unsere Lieder mit entsprechendem Beifall und anschließenden Gesprächen.

Obwohl es viel zu tun gab, konnten wir an verschiedenen Veranstaltungen teilnehmen. Dies ermöglichte unsere gut durchdachte Planung. Gemeinsam machten wir uns am Freitagabend auf den Weg. Angesagt war im Tempodrom „Taize - Nacht der Lichter“. Diese Veranstaltung hatte so viel Zulauf, dass uns letztendlich nur noch die Bordsteinkante zum Sitzen einlud. Schon nach kurzer Zeit waren wir tief beeindruckt. Vielleicht lag es an dem besonderen Flair, der sich durch die große Menschenmenge, die vielen Kerzenlichter und die unbeschreiblichen Gesänge von Taize entwickelte. Jedenfalls wird uns diese Atmosphäre noch lange in Erinnerung bleiben.

Der letzte Tag in den Messehallen brachte noch einmal viele Menschen zu unserem Stand. Wieder wurde deutlich, wieviel Aufklärungbedarf noch besteht und immer wieder von uns geleistet werden musste. Abgesehen davon, dass viele betroffene Frauen an diesen Tagen den Weg zu uns fanden, sich zum ersten Mal öffneten und über ihre Probleme sprachen, ging mir eine Situation besonders nahe. Am frühen Morgen, es war der zweite Tag des Ökumenischen Kirchentages, machte sich eine junge Frau auf den Weg nach Berlin. Sie nahm ca. 500 km Fahrtstrecke in Kauf, um einen Menschen zu finden, mit dem sie über ihre Problematik reden konnte. Bisher hatte sie es nicht gewagt. Mir fiel diese Frau auf, weil sie etwas unsicher wirkte und zunächst unseren Stand aus einiger Entfernung fixierte. Sie schien interessiert, traute sich aber nicht näher heran. Nach geraumer Zeit verringerte sich der Abstand. Ungefähr zwei Meter von uns entfernt blieb sie stehen. Sie lauschte den Gesprächen und beobachtete unsere Aktionen. Es dauerte noch, bis sie sich unser Infomaterial nahm und damit den Stand verließ. Irgendwann kehrte sie zurück und lief einige Male an uns vorbei. So ungefähr nach dem fünften Anlauf nahm sie ihren ganzen Mut zusammen und erzählte uns ihre Geschichte. Sie glich unendlichen Wiederholungen, enthielt unvorstellbares Leid und stimmte in allen Punkten mit unseren Erfahrungen überein. Für diese junge Frau hat sich der Weg nach Berlin gelohnt. Ihre Situation konnten wir nicht ändern, aber ein offenes Ohr und unsere Solidarität waren ihr sicher.

Der erste Ökumenische Kirchentag endete auch für uns mit dem Schlussgottesdienst vor dem Reichstag. Ungefähr 200.000 Menschen waren anwesend. Wie an allen Tagen meinte es das Wetter wieder gut mit uns. Die Sonne schien. Etwas Wehmut kam auf. Fünf Tage hatten wir miteinander verbracht. Nun stand die Abreise bevor. Der Gottesdienst ließ noch einmal alle Euphorie lebendig werden. Vor dem Reichstag entwickelte sich eine Hochstimmung. Mit vielen guten Gefühlen endete so der erste ökumenische Kirchentag.

Zusammenfassend kann gesagt werden: Die Arbeit der Initiativgruppe vom Zölibat betroffener Frauen hat sich gelohnt. Wesentlich dazu beigetragen haben:
- eine umsichtige Planung und Vorbereitung für den Kirchentag;
- das große Engagement von B., die sich vor Ort um die Unterkünfte und um einen reibungslosen Ablauf in Berlin kümmerte;
- die gute Zusammenarbeit mit der Vereinigung katholischer Priester und ihrer Frauen;
- und die vielen Überlegungen und Telefonate, die unsere Frauen im Vorfeld führten.
Allen ein Dank für diesen Beitrag. Wir waren auf einem gemeinsamen Weg. Gehen wir ihn weiter!

Margarete K.