Die VkPF im Überblick

Protokoll der Gründungsversammlung (1984)

Protokoll der Gründungsversammlung in Bad Nauheim am 24./25. März 1984.

Die Vorbereitung zur Gründungsversammlung hatte der "Arbeitskreis Priester ohne Amt im Bistum Augsburg" übernommen. Anwesend waren ca. 30 Personen, darunter zwei Beobachter aus Holland.

Der Vorstellungsrunde schloss sich ein von allen Teilnehmern geforderter Meinungsaustausch an, in dem jeder seine Wünsche und Vorstellungen für dieses Wochenende äußern konnte:

- eine Mehrheit wollte unbedingt an diesem Wochenende eine Vereinigung gründen, darin wurde der Sinn des Treffens gesehen;
- einige Teilnehmer wünschten, einen Anstoß, eine Bewegung in Gang zu bringen, ohne sich sofort organisatorisch festzulegen;
- für einige war das Hauptziel, bald wieder eine priesterliche Tätigkeit übernehmen zu können. Die Vereinigung habe für sie die Aufgabe, im Kirchenvolk eine günstige Atmosphäre zu schaffen und als Gesprächspartner für die Amtskirche zu fungieren;
- andere sagten, viele Ziele müssten deutlich sein, nicht nur "Zurück ins Amt". Es müssten auch diejenigen Mitglieder werden können, die zur Zeit nicht ins Amt zurück wollten, aus welchen Gründen auch immer;
- die Vereinigung sei mit organisatorischer Struktur nötig, weil bei übernationalen Treffen (Internationaler Synode) Delegierte anwesend sein müssten, die im Namen aller zu sprechen beauftragt seien;
- eine feste Gruppierung sei auch deshalb nötig, um den Einzelnen zu stärken und ihm das Bewusstsein zu geben, dass er nicht allein steht;
- die Vereinigung sei notwendig als Anlaufstelle für Betroffene und als Organ gegenüber den Bischöfen. Sie müsse Beratung und finanzielle Hilfe anbieten und auch in der Öffentlichkeit auf die Not der Betroffenen hinweisen;
- dagegen wurde eingewandt, dass ein solcher Verein nicht so sehr die Aufgabe der persönlichen Hilfe haben sollte - die gebe es ja schon in den regionalen Gruppen, sondern politische Arbeit übernehmen müsste. Gegen die "Macht von oben" könne dann die "Macht von unten" gesetzt werden;
- in dieser kirchenpolitischen Aktivität solle die Vereinigung sich anderen kritischen Gruppen wie der "Kirche von unten" oder dem "Komitee zur Verteidigung der Christenrechte" anschließen;
- sie solle sich nicht eindeutig festlegen, sondern mit allen innerkirchlichen Kräften zusammenarbeiten. Sonst bestehe die Gefahr, von vornherein als "links" abgestempelt zu werden;
- wir sollten uns nicht in erster Linie als Vertreter eigener Interessen verstehen, sondern als solche, die sich gemäß ihrem eigenen Charisma am Leben der Kirche beteiligen wollen und dabei bereit sind, Dienste zu übernehmen;
- es gehe um einen aktiven Arbeitskreis, der die für uns wichtigen Entwicklungen in der Kirche weitertreibe und die dazu nötigen Aktionen mache;
- die Vereinigung übernehme sich, wenn sie die ganze Kirche reformieren wolle, sie müsse sich auf einige wenige Ziele beschränken, die sich konkret aus unserer Situation ergeben;
- sie muss deutlich machen, wie unsere Situation wirklich ist; wir sind nicht freiwillig aus dem Amt ausgeschieden, sondern wir sind ausgeschieden worden. Dies umfasst in der Art, wie sie geschieht, und in den Folgen vielfältige Diskriminierung;
- die Kritik an der Kirche könne nicht weggelassen werden, da gerade wir ja auf vielfache Weise negativ betroffen sind;
- dazu sei es nötig, die Selbstbemitleidung und Selbstdiskriminierung aufzugeben, die z.B. deutlich werden an negativen Formulierungen wie "Priester ohne Amt", und durch ein positives Selbstverständnis und entsprechende Formulierungen zu ersetzen wie z.B. "Priester mit Familie";
- notwendig sei die Öffentlichkeitsarbeit, dazu ein eigenes Mitteilungsblatt. Es gehe nicht so weiter, daß die meisten Katholiken gar nicht wissen, wie viele es von uns gibt und wie wir leben. Wir müssen unsere eigene Situation deutlich machen;
- es seien zentrale Anlaufstellen zu errichten für betroffene Priester und Frauen, sowohl auf regionaler als auch überregionaler Ebene.

Im Rückblick muss diese Austauschrunde als fruchtbar für das Klima untereinander und als wichtig und entscheidend für die Satzungsdiskussion bewertet werden.

Dr. Hans Jürgen van der Minde