Die VkPF im Überblick

Öffentlich werden am Katholikentag in München (1984)

Es war naturgemäß eine winzige Gruppe, die in München die ersten Schritte in die Öffentlichkeit tat. Außer den Vorstandsmitgliedern waren es Hans Fischer, Heinz-J. Vogels, Alfred Lenz, Konstanze Becker-Berke und ihr Mann (beide als persönlich nicht Betroffene), Hans und Hildegard Seiler. (Es waren noch einige andere da, deren Namen ich in den Unterlagen noch nicht gefunden habe.) Es gab einen bald umlagerten Stand bei der IKvu und eine ständige Präsens auf dem Katholikentag durch Flugblattverteilerinnen und -verteiler, die gleichzeitig Gesprächspartner waren.

Aus den Berichten:

Hans Fischer: "Nachdem unsere Bemühungen, in der Abt. 'Kirche am Ort' einen Stand zu bekommen, fehlgeschlagen waren und auch das zunächst in Aussicht gestellte Gespräch mit den Bischöfen nicht zustande kam, sah ich dem Katholikentag mit sehr gemischten Gefühlen entgegen. Wird man uns von oben wegen des Aufbaus eines Standes in der 'Kirche von unten' Vorwürfe machen? Die Gefahr bestand. Was dann in den Münchener Tagen geschah, beruhigte mich etwas und übertraf sogar meine Erwartungen..."

Dr. H-J. Vogels: "Wir konnten auf dem Katholikentag einiges aussäen, das Wachstum muss Gott geben. Auf dem offiziellen Katholikentag im Messegelände haben wir 14.000 Flugblätter verteilt. Damit wurden etwa 10% der Besucher angesprochen. Erst fiel es schwer, die Hemmschwelle zu überwinden und sich in den Strom der Eintretenden zu stellen. Die meisten reagierten freundlich, manche interessiert, einige holten sich noch mehrere Exemplare nach, Jugendliche sagten: 'Das ist Spitze, bei uns ist auch ein Kaplan gegangen', Priester ließen sich auf längere Diskussionen ein: 'Wir kennen das Problem, es muss besprochen werden, wir finden es richtig, daß ihr euch in der Öffentlichkeit zeigt..."

Ch. und K. Thoma/Konstanze Becker-Berke: "...Beim Verteilen an besonderes Publikum: Vortrag ‚Menschenrecht', Ökumenischer Gottesdienst; ‚Frau in der Kirche' nahm fast jeder ein Flugblatt. Die persönlichen Folgen für verheiratete Priester und deren Frauen waren den meisten völlig unbekannt. Über die zahlenmäßigen Dimension hatten die meisten noch keine Vorstellung. Viele Diskutanten kannten einen Betroffenen, hatten diesen aber nach dem Ausscheiden oft mit Bedauern aus den Augen verloren und fragten uns nun nach der Adresse."

Heiner Lueg: "...Die Standardfrage an unserem Stand in München lautete: ‚Wann wird das Zölibatsgesetz aufgehoben?' Ich möchte uns alle hier dringend vor Illusionen warnen; wir werden für unsere Anliegen einen langen Atem brauchen."

Schließlich sei noch eine letzte Erfahrung mitgeteilt: Mir haben etliche Priester ohne Amt geschrieben, sie seien an einer Mitgliedschaft nicht interessiert, weil sie für die Vereinigung keine Chance sähen. Ich denke, dass solche Resignation verständlich ist und akzeptiert werden muss, zumal man manches Lebensschicksal näher kennt. Aber eben auch das ist Ziel unserer Vereinigung: wir können und wollen uns gegenseitig Mut machen und uns vor Resignation bewahren.