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Marianne und ich, wir waren in Ulm zum ersten Mal überhaupt bei einem Katholikentag zu Gast. Wir waren Dauerteilnehmer.

Ich liefere hier einige Anmerkungen.

Wir waren sehr froh, Mitglieder und Freunde der Vereinigung wieder zu sehen.

Wir haben gerne einige Stunden am Stand mitgearbeitet.

Von den vielen Eindrücken möchte ich einige ausgewählte hervorheben:

Unter der Überschrift „katholisch“ gibt es eine wachsende Vielfalt der Meinungen und Ansichten. Entsprechende Gruppen haben teilweise ganz entgegengesetzte Ziele.

Auffällig war aus unsrer Sicht das schwindende Glaubenswissen auch bei vielen, bei denen man einen gewissen Kenntnisstand erwartet. Typisches Beispiel war eine junge Dame (18) von einer der modernen Jugendgemeinschaften. Im Gespräch zeigte sie einen erstaunlichen Eifer und unerschütterliche Zuversicht auf die Wiederausbreitung des Christentums in Europa. Ihre Unwissenheit war aber größer als ihr Eifer. Sie war völlig überrascht zu hören, dass es ein kirchliches Gesetzbuch überhaupt gibt und dass dort durchaus Widersprüche zur Bibel zu finden sind. Sie mochte das überhaupt nicht wahr haben.

Einen ähnlichen Eindruck ergab sich für mich auch im Gespräch mit Theologiestudenten!

Dann trafen wir am Stand der Petrusbruderschaft einen jungen Priester, fast immer lächelnd, was ihm einen Anstrich von Arroganz verlieh, gekleidet in eine „Muttersau“, der klassischen bodenlangen Soutane mit den 33 Knöpfen. - Er machte so den Eindruck als wäre der Ersatz der 33 Knöpfe durch einen bequemeren Reißverschluss gleichbedeutend mit dem Abfall vom Glauben. Er stellte erst einmal klar: „Der Priester, der Bischof weiß alles, kann alles, darf alles, wenn er erst einmal geweiht ist. Die Weihe bringt ihn auf eine besondere Stufe in der Nachfolge der Apostel und damit in der Stellvertretung Christi.“ Damit war ein Gespräch nicht möglich. Als ich ihm gerade noch sagen konnte, dass auch durchaus Dogmen aufgehoben werden sollten, erstarb sein Lächeln und er wandte sich einem anderen Besucher zu.

Wir haben uns besonders gefreut über Hans Küng. Wir konnten zwar nur im Zelt mit der Futterkrippe mühsam der akustischen Übertragung aus dem Saal Messehalle 1 zuhören, aber wir sind dankbar, dass er unsere Vereinigung und WsK ausdrücklich erwähnte und alle unsere Wünsche und Forderungen einzeln aufzählte. Das ist die Öffentlichkeit, die wir brauchen!

Am meisten fasziniert hat mich die Wiedergabe eines endlosen, leider tonlosen Films auf einer großen Projektionsfläche beim Stand derer, die für die Wiederbelebung der tridentinischen Liturgie votieren. Der Film berichtete über die Abtsweihe in einem Kloster in Südostfrankreich in diesem Frühjahr 2004. Das war ein Spektakel! Die Herren, und nur Herren hatten immer wieder neue Auftritte in sündhaft teuren, außerordentlich prunkvollen Gewändern. Da wurden jede Menge großer Kerzen und Bücher und Weihrauchfässer herumgetragen und geküsst. Die Kniebeugen und Handauflegungen und Verneigungen wollten kein Ende nehmen. Es sprach mich dann ein junger Mann in Zivil an. Er hörte mir auch zu und schien durchaus ein gewisses Verständnis für meine aus seiner Sicht etwas ketzerischen Ansichten zu haben. Schließlich habe ich ihn mehrfach geschockt: In dem Film traten auch mindestens drei Herren mit klassischer Tonsur auf. Ich meinte dann zu meinem Gesprächspartner: „Die müssen aber einen guten Maskenbildner haben, dass die Tonsuren so echt aussehen.“ Da folgte aber sein Aufschrei: „Nein! Die sind echt! Die laufen immer mit Tonsur rum!“. - Schließlich empfahl mir der Gesprächspartner, der sich nicht mit Namen vorstellte, doch bei uns zu Hause in der Pfarre einen dauerhaften Gebetskreis für Priesterberufungen zu organisieren. Meine Antwort brachte ihn ins Wanken: „Ich bete erst für Priesterberufungen, wenn das Zölibatsgesetz abgeschafft ist und Frauen zu allen Weihen uneingeschränkt zugelassen werden. - Ich habe manchmal der Eindruck, der Heilige Geist verhindert in Europa westlich der Oder eher Berufungen, bis denn die Kirchenleitungen endlich das Zölibatsgesetz abgeschafft haben.“

Jedenfalls habe ich von dieser tridentinischen Liturgie gar nichts von ihrem vielleicht vorhandenen Symbolgehalt verstanden. Es ist eher eine historische Performance. Das wird sicher nicht veranstaltet „ad maiorem Dei gloriam“ sondern eher „ad maiorem episcopi gloriam“. Dabei erstarrte der Gesichtsausdruck meines Gesprächspartners zur ratlosen Nachdenklichkeit. Eventuell mangelte es ihm an hinreichenden Lateinkenntnissen.

Wilhelm Gatzen


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Literatur zum Zölibat

  • Oh, Gott! Kreuzweg Zölibat +

    Loser Friedli Gabriella Loser Friedli, Oh, Gott! Kreuzweg Zölibat, Wörtersee-Verlag, 2014

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  • Ich bin auf den Grund gegangen +

    Zellner Lorenz Zellner, Ich bin auf den Grund gegangen - aber nicht zugrunde, Verlag epubli GmbH, 2013 , 14,80 €

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  • Zölibat und Frau +

    BuchtitelLuise Rinser, Zölibat und Frau, Verlag Echter, 1967

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  • Zehn Argumente für den Zölibat +

    Buchtitel Hans Conrad Zander, Zehn Argumente für den Zölibat. Ein Schwarzbuch, Verlag Patmos, 2006, 7,95 €

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