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Mit der VkPF beim Katholikentag

Trotz des aufwendigen organisatorischen Vorlaufs über ein ganzes Jahr hin war die Teilnehmerzahl beim 97. Deutschen Katholikentag in Osnabrück eher bescheiden. Man sprach von nur 32.000 Dauerteilnehmenden, darunter sogar 40% Jugendliche. Fröhlich-heiter war die Atmosphäre; die jungen Leute schenkten dem Katholikentag eine „Leichtigkeit des Seins“. Das geringe Gewicht zukunftsorientierter Diskussionen war allerdings auffallend. Weder die neue Atheismusdebatte noch der Einbruch des Gemeindelebens durch den Priestermangel bestimmten das Erscheinungsbild. Am Stand der VkPF gab es viel Freundlichkeit und Anerkennung, genauso deutlich waren Hilflosigkeit und Resignation: „Man kann halt nichts machen“.

Als ich mit einer 79jährigen Dame ins Gespräch kam, erzählte sie mir, dass sie ganz allein von Zwickau angereist wäre, weil es in ihrer Gemeinde keine Gemeinschaftsfahrten mehr gäbe, seit „kein Pfarrer mehr da ist“. Sehr bewegt hat mich die Geschichte einer jungen Mutter dreier Kinder, als sie erzählte, dass sie ihr Priester-Mann verlassen habe, nun mit einer anderen Frau zusammenlebe und weiter am Altar stehe. Diese tapfere Frau steht für viele Frauen, wie der benachbarte Stand der vom Zölibat betroffenen Frauen zeigte.

Insgesamt kam die Frage wieder auf, ob nicht die leitenden Männer der Katholischen Kirche in Deutschland bereits einen anderen Kurs eingeschlagen haben: nicht Entwicklung lebendiger Gemeinden als Kernzellen kirchlichen Lebens, sondern Stärkung der Bischofszentralen, Wallfahrten, Reliquienverehrung, Großveranstaltungen wie Jubiläen und Seligsprechungen, neue geistliche Bewegungen wie Opus Dei und Totus tuus, Rückzug aus den meisten gesellschaftlichen Aufgaben und Straffung der internen Disziplin. Die Einrichtung eines kirchlichen Fernsehkanals würde in diese Entwicklung gut passen.

Wenn diese Beobachtung stimmt, hieße das auch, dass die Misere auf Gemeindeebene für die Bischöfe und ihre Bürokratien schon längst keine besondere Rolle spielt. Der Priestermangel lässt sich nun beliebig durch Auflösung von Gemeinden und Priesterimport aus anderen Ländern auffangen. Damit ist ein romgetreuer Kurs möglich, der für die Karriere förderlich ist. Gruppen wie Wir sind Kirche und VkPF dürften in dieser Perspektive nur marginale oder gar keine Bedeutung haben.

Als ich diesen Beitrag für die Webseite der VkPF schrieb, ist mir zufällig der Bericht von der Diözesansynode Rottenburg-Stuttgart in die Hand gefallen, der am 18. Mai 1986 von dem damaligen Bischof Georg Moser veröffentlicht wurde. Ich zitiere nur zwei Abschnitte, um deutlich zu machen, wie sehr sich der Geist des II. Vatikanischen Konzils verflüchtigt hat:

„Die Zahl der Priester geht zurück. Die Zahl der Eucharistiefeiern aber kann ohne Überforderung für die Priester nicht unbegrenzt vermehrt werden. Auch deshalb bedarf die Berufung von in Ehe und Beruf bewährten Männern zum priesterlichen Dienst einer ernsten Prüfung. Desgleichen muss in diesem Zusammenhang, aber auch aus anderen Gründen, die Möglichkeit der Ordination von Frauen weiter bedacht werden.“ (Beschlüsse der Diözesansynode-Synode Rottenburg-Stuttgart 1985/86, Schwabenverlag 1986, Teil VI Liturgie und Verkündigung, Abschnitt III Sonntag, Nr. 57).

„Viele Jugendliche erwarten von der Kirche klarere und eindeutigere Stellungnahmen zu Zukunfts- und Lebensfragen. Solange die Jugend durch die Verkündigung die Frohe Botschaft zwar hört, in der Bewältigung der täglichen Probleme von der Kirche aber im Wesentlichen allein gelassen wird, wird sie sich immer mehr von der Kirche entfernen. Viele Jugendliche können die Spaltung der Kirche in verschiedene Konfessionen nicht verstehen. Sie sind ungeduldig und drängen, dass die eigene Kirche alles tue, damit ein größeres Miteinander mit den skandalöserweise immer noch getrennten Brüdern und Schwestern gelingt.“ (ebd. Teil IV Jugendarbeit, Abschnitt III Jugend und Kirche, Nr. 16)

Die Hoffnung auf eine uns liebevoll anschauende Kirche, die Mario von Galli auf dem Stuttgarter Katholikentag 1987 leidenschaftlich verkündete, hat sich nicht gehalten; vielleicht ist deshalb seine Aufforderung zum intelligenten Gehorsam umso aktueller.

Dieter Kittlauß

Impressionen aus Osnabrück

Hier zeigen wir einige Bilder von unserem Stand und der Lebendigkeit, die wir dort in diesen Tagen erfahren durften. (Zum Vergrößern die Bilder bitte anklicken)

Katholikentag Osnabrück

Katholikentag Osnabrück

Katholikentag Osnabrück

Katholikentag Osnabrück

Der nächste Katholikentag findet übrigens vom 16. - 20. Mai 2012 in Mannheim statt. Vorher aber gibt es noch den 2. Ökumenischen Kirchentag in München - vom 12. - 16. Mai 2010.

Gottesdienst beim Katholikentag in Osnabrück

Beitrag aus der taz vom 26. 5. 2008

Der Schritt nach draußen

Etwas ist anders als in einem normalen katholischen Gottesdienst. Und seien es nur die Brotstückchen, die dekorativ geschichtet sind wie auf einer kalten Platte. Auf dem Altar stehen Teelichter und Tongeschirr, mit Brot und Wein sind sie zu einem geometrischen Muster arrangiert worden. Die "Vereinigung katholischer Priester und ihrer Frauen" feiert in der Kapelle der Heilig-Kreuz-Kirche im Osnabrücker Stadtteil Schinkel ihren Wortgottesdienst, abseits der Massenevents des Katholikentages. In der Vereinigung haben sich Priester und Ordensleute - und ihre Frauen - zusammengeschlossen, die das Zölibat nicht mehr leben wollten und deswegen ihr Amt aufgeben mussten.

"Mit meinem Gott überspringe ich Mauern", haben sie den Gottesdienst überschrieben. Doch die Energie im Raum würde, um im Bild zu bleiben, kaum reichen, um einen Bordstein zu überwinden. Als die Teilnehmenden aufgefordert sind, ihre Gebetsanliegen zu formulieren, melden sich mit teils stockender Stimme, aber bereitwillig einige Männer und Frauen zu Wort. Die Anliegen sind immer gleich: Gottes Beistand für ein "schweres, schweres Leben", "ganz ich selbst sein, frei, zufrieden", Mut für die Entscheidungsträger der Kirche, von denen heute mehr Mut gefordert sei, als sie je hätten zeigen müssen.

Die TeilnehmerInnen sind mindestens mittleren Alters und meistens weiblich. Manche haben Schicksalsschläge hinter sich wie Margarete Kirchmann. Sie hat mit einem Priester eine heimliche Beziehung geführt, bis er bei einem Unfall starb. Vom Tod ihres Partners erfuhr sie durch eine Kollegin - und durfte sich ihre Trauer mit keiner Regung anmerken lassen. "Die betroffenen Frauen sind vollkommen isoliert", sagt sie. Denn wenn sie sich jemandem anvertrauen, könnten sie nicht mehr sicher sein, dass die Beziehung geheim bleibt.

Warum nur so wenige Männer an dem Gottesdienst teilnehmen, erklärt Claus Schiffgen vom Vorstand: "Viele aus dem Dienst ausgeschiedene Priester wollen mit der Kirche nichts mehr zu tun haben. Auch wir sind für sie ,die Kirche'." Margarete Kirchmann denkt da anders: "Wenn ich in der Kirche etwas kritisieren will, muss ich dableiben."

Schiffgen sitzt in der vordersten Bank und spielt Gitarre. Zum Vorlesen geht er einen Schritt in die Ecke der Kapelle, wendet sich nur halb der Gemeinde zu. Man würde nicht vermuten, dass er einmal als Priester vorn am Altar gestanden hat. Margarete Kirchmann findet es traurig, dass man "so etwas inszenieren muss, damit die Männer wieder Priester sein können", sprich: eine abgespeckte Form des Gottesdienstes finden, bei denen die Ex-Priester ihre nunmehr wieder eingeschränkten kirchenrechtlichen Kompetenzen nicht überschreiten müssen.

Claus Schiffgen ist nach einer Verlagstätigkeit und einer erfolglosen Umschulung zum Informatik-Kaufmann wieder im kirchlichen Dienst angekommen - als Religionslehrer. Zwanzig bis vierzig Prozent der Priester würden ihr Amt aufgeben, "wenn sie nicht solche Existenzängste hätten", schätzt er. Im "goldenen Käfig" des Priesterseminars umsorgt und auf eine Laufbahn mit Jobgarantie vorbereitet, könnten sich die meisten kein anderes Leben vorstellen.

Die Vereinigung versteht sich als "Feuerwehr mit dem Sprungtuch", die zeigt, dass der Schritt nach draußen nicht tödlich ist. Die Mitgliederzahlen sind allerdings rückläufig, und die Amtskirche von der Abschaffung des Zölibats zu überzeugen, hat sie so gut wie aufgegeben. "Wer das Zölibat vierzig, fünfzig Jahre gelebt hat und nun abschaffen soll, der müsste sein eigenes Leben in Frage stellen." Und den Mut erwartet Schiffgen von der obersten Ebene nicht.

ANNEDORE BEELTE

Erfahrungen in Osnabrück

Schon sind sie wieder vorbei, die Tage in Osnabrück. Maria und mich hat der Alltag eingeholt, die erste Wäsche hängt schon am Sonntagnachmittag auf der Leine. Trotzdem bleibt natürlich etwas zurück, wie nach jedem der vergangenen Katholikentage.

Es ist vor allem die Erfahrung aus den vielen Gesprächen, dass wir als VkPF mit unseren Anliegen breite Unterstützung finden bei den Menschen aus und in den Gemeinden. Besonders beeindruckt haben mich die Frauen der KFD, die in diesem Jahr an ihren roten Halstüchern schon von weitem zu erkennen waren. Auf das Thema Pflichtzölibat reagierten sie im Gespräch sehr engagiert, oft aufgrund eigener Erfahrungen durch den Verlust ihres Seelsorgers vor Ort oder das Wissen um die heimliche Beziehung eines Priesters. „Gestandene Frauen“ habe ich da erlebt, von denen ich mir wünschen würde, dass ihr Engagement und ihre Begeisterung viel stärker einmünden könnte in gestaltende Verantwortung, wenn es darum geht, die Pastoral der nächsten Jahre zu bestimmen. Leider sind die Bischöfe und die meisten Pfarrer nicht bereit, Verantwortung (und damit Macht) abzugeben.

In diesem Jahr habe ich nur ein einziges Gespräch geführt, in dem jemand sich für die Beibehaltung des Pflichtzölibates aussprach. Daraus darf sicher nicht geschlossen werden, dass 99,9 Prozent der Katholikentagsteilnehmer unserer Meinung sind. So mancher ist auch mit deutlich unwilligem Gesichtsausdruck an unserem Stand vorbeigegangen. Außerdem waren diesmal in der unmittelbaren Nachbarschaft des Standes keine „rechten“ Gruppen vertreten, deren Anhängerinnen und Anhänger uns z.B. in Saarbrücken des öfteren in längere Streitgespräche verwickelten. Aber trotzdem habe ich das Gefühl, dass die Basis unserer Unterstützer breiter und selbstbewusster geworden ist, dass der Unmut wächst, dass es unterm Deckel immer stärker brodelt. Wenn sich dieser Unmut der Basis nach außen (bzw. nach oben) jetzt noch stärker artikulieren würde, wären wir einen großen Schritt weiter. Jedenfalls habe ich gespürt, dass sich unser Einsatz lohnt. In vielen Gesprächen wurde uns Kraft und Stehvermögen gewünscht.

Die äußeren Rahmenbedingungen stimmten ebenfalls. Die Entscheidung für einen größeren Stand hat sich als richtig erwiesen, trotz der höheren Kosten. Die Farbe Rot war ein Volltreffer! Unsere T-Shirts fielen ins Auge, nicht nur am Stand. Der rote Flyer sowie das große rote Tuch passten perfekt dazu. Die Baumwolltaschen gingen wieder einmal weg wie warme Semmeln. 250 Stück plus Restposten aus Saarbrücken waren schon am Freitag vergriffen. Dazu kam Dieters „Andachtsbildchen“ mit den beiden heiratswilligen Bischöfen, das manches herzhafte Lachen auslöste und ein wunderbarer Gesprächseinstieg war. Lediglich die Pinwand mit der „Who is who ?“-Aktion hatte m.E. nicht den durchschlagenden Effekt. Da müssen wir für 2010 in München noch mal dran arbeiten.

Es waren schöne Tage in Osnabrück, nicht nur aufgrund des herrlichen Wetters. An dieser Stelle noch mal ein Dankeschön an alle, die zum Gelingen beigetragen haben!

Stefan Kipping

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Literatur zum Zölibat

  • Oh, Gott! Kreuzweg Zölibat +

    Loser Friedli Gabriella Loser Friedli, Oh, Gott! Kreuzweg Zölibat, Wörtersee-Verlag, 2014

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  • Ich bin auf den Grund gegangen +

    Zellner Lorenz Zellner, Ich bin auf den Grund gegangen - aber nicht zugrunde, Verlag epubli GmbH, 2013 , 14,80 €

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  • Zölibat und Frau +

    BuchtitelLuise Rinser, Zölibat und Frau, Verlag Echter, 1967

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  • Zehn Argumente für den Zölibat +

    Buchtitel Hans Conrad Zander, Zehn Argumente für den Zölibat. Ein Schwarzbuch, Verlag Patmos, 2006, 7,95 €

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