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Nachdem unsere Bemühungen, in der Abt. 'Kirche am Ort' einen Stand zu bekommen, fehlgeschlagen waren und auch das zunächst in Aussicht gestellte Gespräch mit den Bischöfen nicht zustande kam, sah ich dem Katholikentag mit sehr gemischten Gefühlen entgegen. Wird man uns von oben wegen des Aufbaus eines Standes in der 'Kirche von unten' Vorwürfe machen? Die Gefahr bestand. Was dann in den Münchener Tagen geschah, beruhigte mich etwas und übertraf sogar meine Erwartungen.

Vor Beginn der Eröffnungsfeier sowie anlässlich einiger Veranstaltungen in den Messehallen am Donnerstag und Freitag verteilten wir an Tausende unsere Flugblätter. Manche Hemmschwelle musste vorher überwunden werden, um die vielen Papiere mit z.T. provokativem Inhalt Unbekannten in die Hand zu drücken. Doch weckten diese stets Interesse. Die Reaktionen der vorbeieilenden Teilnehmer waren fast alle ausnahmslos positiv. Dabei traf ich manche, auch Bekannte, die Mut zusprachen, damit weiterzumachen. In der übrigen Zeit stellte ich mich mit den Kollegen am Stand im Löwenbräukeller den vielen Besuchern. Mich erstaunte deren Aufgeschlossenheit; allerdings zeigte sich in den Gesprächen überdeutlich ein großes Informationsdefizit. Mit den aufliegenden B1ättern und dem Buch von H.-J. Vogels konnte dem etwas abgeholfen werden. Wir hatten genug zu tun. Unangenehme Begegnungen gab es nicht.

Die Tage in München waren gefüllt und erlebnisreich. Wir waren da, wenn auch am Rande. So habe ich die feste Überzeugung, dass unsere Anwesenheit in München einen guten Sinn hatte und die Gespräche weiterwirken werden. Mehr Erfolg hätten wir wahrscheinlich gehabt, hätte sich mancher auch dazu entschlossen, nach München zu kommen.

Hans Fischer, Königsdorf

Wir konnten auf dem Katholikentag einiges aussäen, das Wachstum muß Gott geben. Auf dem offiziellen Katholikentag im Messegelände haben wir 14.000 Flugblätter verteilt. Damit wurden etwa 10 % der Besucher angesprochen. Erst fiel es schwer, die Hemmschwelle zu überwinden und sich in den Strom der Eintretenden zu stellen. Die meisten reagierten freundlich, manche interessiert, einige holten sich noch mehrere Exemplare nach, Jugendliche sagten: "Das ist Spitze, bei uns ist auch ein Kaplan gegangen", Priester ließen sich auf längere Diskussionen ein: "Wir kennen das Problem, es muss besprochen werden, wir finden es richtig, dass Ihr Euch in der Öffentlichkeit zeigt". Ganz wenige gaben das Blatt zurück oder verweigerten die Annahme, nur wenige Blätter lagen später auf dem Boden.

Geistliche Impulse gingen bei diesem Katholikentag mehr "von unten" aus, wie auch der "Christ in der Gegenwart" 30/84 (M. Plate) feststellt. Die Lima-Liturgie mit H. Küng und die Ansprachen von ihm und J. Zink vor 10.000 in der Moll-Halle vermittelten in mutiger und befreiender Weise das Wort Gottes, Grenzen überwindend und Gemeinschaft schaffend. Deshalb brauchten wir über die etwas bunte Gesellschaft im Hauptquartier des "Kirchentags von unten" am Stiglmaierplatz nicht besorgt zu sein. Hier ergaben sich an unserem Tisch gleich beim Eingang, dar immer umlagert war, viele geradezu geistliche Gespräche. Sehr viele offenbarten sich als Betroffene, seien es Frauen oder (ehemalige) Priester, oder Gemeindemitglieder, die vom Schicksal ihrer Geistlichen mitbetroffen waren. Unsere "Literatur" ging gut weg, so dass wir merkten, es besteht ein echtes Interesse dafür. Wir haben eine Marktlücke entdeckt und zum Teil gefüllt.

Dr. H.-J. Vogels, Bonn

Unsere Erfahrungen beim Vorteilen der Flugblätter der Vereinigung auf dem offiziellen Katholikentag:

Verteilt wurden ca. 14.000 Flugblätter, Schon auf der Eröffnungsfeier wurden vom Flugblatt "Wussten Sie schon?" an die 4.000 Stück verteilt. Die Überschrift in Frage- und drucktechnisch eingängiger Form ließ die Leute sofort aufmerken. Die kurze Fassung unserer Blätter konnte schnell gelesen werden. Es wurde bei den meisten Veranstaltungen kein einziges Blatt weggeworfen. Im Gegenteil: immer wieder kamen Leute nach kurzem Lesen zurück und nahmen sich ein Flugblatt von unseren Reservestößen. Wir hätten dringend mehr Männer und Frauen als Verteiler und Ansprechpartner gebraucht.

Reaktionen:

Beim Verteilen an besonderes Publikum: Vortrag "Menschenrechte", Ökumenischer Gottesdienst, "Frau in der Kirche" nahm fast jeder ein Flugblatt, ja, viele wollten unbedingt eines haben. Beim allgemeinen Verteilen ohne besondere Zielgruppe gab es mit fortschreitendem Katholikentag eine allgemeine Papierverdrossenheit. Sobald der Inhalt unserer Flugblätter erkannt war, war die überwiegende Reaktion positiv - wir rannten offene Türen ein. Manche suchten das Gespräch, dabei zeigte sich bei wenigen einzelnen ein Unverständnis für unser Anliegen, bei der Mehrzahl ein positives Engagement bis zur wiederholten Frage: "Was sollen wir tun?"

Die persönlichen Folgen für verheiratete Priester und deren Frauen waren den meisten völlig unbekannt. Über die zahlenmäßige Dimension hatten die meisten noch keine Vorstellung. Viele Diskutanten kannten einen Betroffenen, hatten diesen aber nach dem Ausscheiden oft mit Bedauern aus den Augen verloren und fragten uns nun nach der Adresse. Einige erkundigten sich, ob wir einen Informationsstand hätten. Andere bekannten sich im Vorbeigehen als Betroffene, wieder andere fragten, ob wir selbst Betroffene seien. Manche wollten wissen, was wir denn angesichts der römischen Haltung überhaupt erwarteten. Mehrere wünschten uns ausdrücklich Erfolg und Gottes Segen in unseren Zielen. Insgesamt acht Personen erklärten: "Verheiratete Priester, damit wollen wir nichts zu tun haben." Anpöbelungen erfuhren wir überhaupt nicht. Die offiziellen Ordner machten keinerlei Schwierigkeiten.

Wir erkannten - außer an den Gesprächen - auch aus den bisher erfolgten brieflichen Reaktionen, dass wir einen ersten Schritt auf eine fruchtbare, polemikfreie Öffentlichkeitsarbeit getan haben. Nun halten wir es für nötig, dass über die Bundesrepublik verteilt sich möglichst viele Ortsgruppen als Arbeits- und Ansprechgruppen bilden.

Christa/Klaus Thoma, Flintbek; Konstanze Becker-Berker

Gewiss haben immer schon verheiratete Priester an Katholikentagen teilgenommen. Aber auf dem 88. Katholikentag in München war es doch wohl das erste Mal, dass verheiratete Priester offen auftraten, sich als solche zu erkennen gaben, Argumentationsmaterial verteilten und die Diskussion mit den Teilnehmern suchten. Unsere Vereinigung hatte sich zum Ziel gesetzt, im Rahmen des "offiziellen" Katholikentages aufzutreten. Trotz intensiver Bemühungen ist dies nicht gelungen. Daher haben wir beim "Katholikentag von unten" einen Stand eingerichtet, der ein ständig umlagerter Ort der Information und Diskussion war. Darüber hinaus haben Mitglieder der Vereinigung täglich in ausgesuchten Veranstaltungen des "offiziellen" Katholikentages Flugblätter verteilt und Gespräche geführt.

Mit dieser Form der Teilnahme an einem Katholikentag hat die Vereinigung einen wichtigen Schritt in die Öffentlichkeit getan. Dies gilt sowohl für die allgemeine Öffentlichkeit wie insbesondere auch für diejenigen, die als Betroffene bislang alleine standen. In zahlreichen Gesprächen haben wir immer wieder die Erfahrung gemacht, dass unsere Situation sogar einem großen Teil der binnenkirchlichen Öffentlichkeit kaum oder gar nicht bewusst ist. Beeindruckend und wohltuend war es, dass man uns durchweg mit viel Offenheit und Sympathie oder doch zumindest mit ehrlichem Respekt begegnet ist.

Für die künftige Arbeit der Vereinigung ziehe ich aus den Erfahrungen von München folgende Konsequenzen:

1) Die Zahl unserer Mitglieder muss wachsen. Geht man von der (leider nicht zu belegenden) Zahl von 6-8000 Priestern ohne Amt alleine in der Bundesrepublik Deutschland aus, kann die Vereinigung legitimes Organ der Betroffenen nur dann sein, wenn diese in angemessener Größenordnung durch ihre Mitgliedschaft zu erkennen geben, dass sie sich durch die Vereinigung repräsentiert sehen.
2) Vordringliche Aufgabe ist und bleibt die Öffentlichkeitsarbeit, die sich an drei Zielgruppen wenden muss:
- Priester ohne Amt müssen über unsere Existenz informiert sein und zur Mitgliedschaft eingeladen werden.
- Vor allem die binnenkirchliche Öffentlichkeit muss genauer über unsere Situation unterrichtet sein. Dies gilt in besonderem Maße für die Priester im Amt, auf deren Solidarität wir angewiesen sind. Wir brauchen ein "Sympathie-Feld", das unsere Anliegen mit trägt und stützt.
- Am schwierigsten gestaltet sich gegenwärtig unser Kontakt zur Leitungsebene der Kirche. Ich unterstelle dieser nicht Dialogverweigerung; aber eine vielleicht durch Unsicherheit bedingte Taktik der "Dialogverzögerung" ist unverkennbar.
3) Die Standardfrage an unserem Stand in München lautete: "Wann wird das Zölibatsgesetz aufgehoben?" Ich möchte uns alle hier dringend vor Illusionen warnen; wir werden für unsere Anliegen einen langen Atem brauchen!

Schließlich sei noch eine letzte Erfahrung mitgeteilt: Mir haben etliche Priester ohne Amt geschrieben, sie seien an einer Mitgliedschaft nicht interessiert, weil sie für die Vereinigung keine Chance sähen. Ich denke, dass solche Resignation verständlich ist und akzeptiert werden muss, zumal wenn man manches Lebensschicksal näher kennt. Aber eben auch das ist Ziel unserer Vereinigung: wir können und wollen uns gegenseitig Mut machen und uns vor Resignation bewahren.

Heiner Lueg, Solingen


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Literatur zum Zölibat

  • Oh, Gott! Kreuzweg Zölibat +

    Loser Friedli Gabriella Loser Friedli, Oh, Gott! Kreuzweg Zölibat, Wörtersee-Verlag, 2014

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  • Ich bin auf den Grund gegangen +

    Zellner Lorenz Zellner, Ich bin auf den Grund gegangen - aber nicht zugrunde, Verlag epubli GmbH, 2013 , 14,80 €

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  • Zölibat und Frau +

    BuchtitelLuise Rinser, Zölibat und Frau, Verlag Echter, 1967

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  • Zehn Argumente für den Zölibat +

    Buchtitel Hans Conrad Zander, Zehn Argumente für den Zölibat. Ein Schwarzbuch, Verlag Patmos, 2006, 7,95 €

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