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Laßt uns (weiter) mutig sein!

Irenes Begeisterung kann ich gut teilen! Auch ich erlebte - wenn auch nur 2 Tage (ich hatte unseren Urlaub auf Usedom unterbrochen) den Katholikentag offen, lebendig und voller Hoffnung. Wie immer wurden an unserm Stand, der auch diesmal gut postiert war, viele Gespräche mit vielen Menschen geführt. Clemens Wilken schrieb dazu: "Die Gespräche an unserem Stand in der Kirchenmeile waren zahlreich und intensiv. Viele Frauen und Männer waren entweder persönlich betroffen oder echt interessiert am Leidwesen des Pflichtzölibates. Einige äußerten ihre Not und waren dankbar fürs Zuhören. Es wurde deutlich, wie sehr die aufgezwungene Ehelosigkeit der Priester, die Missachtung der Sexualität und die Zurücksetzung der Frauen zusammenhängen. Und damit die Realitätsfremde der Kirche überhaupt."

1500 Menschen unterschrieben unsere Liste mit der Zielsetzung: "Ich unterstütze die Forderung der VkPF zur Abschaffung des Pflichtzölibates in der röm.-kath. Kirche", was für uns wieder einmal eine intensive "Rückenstärkung" bedeutete. Sehr beeindruckt hat mich persönlich ein Gespräch mit einem jungen Mann, der kurz vor der Priesterweihe stand. Manchmal hatten wir beide Tränen in den Augen.

An einer Diskussionsrunde im Freien, organisiert von der Heidelberger Gruppe WIR SIND KIRCHE, nahmen teil: Georg Beyer, Dietmar Kortkamp, Günther Feininger und ich. Ein Redakteur des Freiburger Konradblattes leitete die Gesprächsrunde. Ich habe es als wohltuend empfunden, die Forderung nach mehr Unabhängigkeit, d.h. die Gemeinden sollen selbst handeln, in einem so starken Maße zu hören. Offenbar wird an der Basis viel mehr selbstverantwortlich gehandelt, als allgemein bekannt ist.

Ein Höhepunkt war sicher die Thomasmesse, für die Clemens Wilken sich mit viel Mut, Mühe und Elan eingesetzt hat. Dazu schreibt er: "Die Thomasmesse, an der mehrere verheiratete Priester aktiv teilnahmen, war ein einziger Erfolg. Es waren fast 700 Leute gekommen, die intensiv mitmachten und dankbar für die persönliche Begegnung z.B. bei den acht Salbungsstationen und bei den 3 Stationen ‚Ganz Ohr', bei der ‚Klagemauer' und beim ‚kreativen Gestalten' waren. In verschiedenen Zeitungen wurde davon berichtet. Mehrere schrieben mir aus verschiedenen Orten, dass sie zuhause eine Thomasmesse vorbereiten wollten. In 30 Städten wird sie bereits regelmäßig praktiziert."

Ein Wermutstropfen war die spärliche Resonanz auf die Aktivitäten der IKvu. Auch unser Stand dort wurde nur mäßig besucht.
Ganz herzlich bedanken möchte ich mich bei Birgit und Georg Beyer, die so gute Quartiere für alle besorgt hatten. Auch Angelika Bach ein herzliches Dankeschön für ihre organisatorischen Vorbereitungen.

Die Begegnungen am Stand der VkPF mit Fremden und Bekannten, die gemeinsame Arbeit und das Engagement vieler, die Zuwendung und die Fröhlichkeit, die wir trotz Erschöpfung erlebten, gibt mir ein Gefühl von der Stärke unserer VkPF mit ihrer großen Vielfalt. Ich freue mich auf den Katholikentag in Hamburg 2000 und möchte mit Bischof Lehmann sagen: Lasst uns (weiter) mutig sein!

Mechthild Jonas-Himmelmann

Katholikentag in Mainz

Also: ich wollte da ja gar nicht hin. Ich dachte, dass ist so was mit viel Lichterprozessionen und Rosenkranzbeten usw. Aber Luis hatte es im Mitteilungsblatt gelesen und wollte unbedingt mal sehen, was so ein Katholikentag eigentlich ist. Also gab ich nach und sandte um Weihnachten rum einige Faxe an dich und Georg Beyer (im Stillen mit der Hoffnung, dass es keine Unterkunft mehr gäbe). Eigentlich fand ich an einer Teilnahme am Katholikentag nur gut, dass ich dann dich endlich mal treffen konnte. Die Privatunterkunft machte mich dann auch etwas skeptisch (" Arzt" klang so etwas vornehm), weil wir das Jahr zuvor den München von meinem Jesuitenonkel privat bei einem älteren Ehepaar untergebracht gewesen waren. Das war absolut nicht das Wahre gewesen, und als die noch merkten, was wir für eine Vergangenheit haben, war die Stimmung so, dass die bestimmt das Haus ausräuchern ließen, als wir wieder abgezogen waren. Hinzu kam noch, daß auf die große Entfernung hin vor unserer Abreise nach Europa fast nichts über das Programm des Katholikentages zu erfahren war außer einer Seite über den Katholikentag von unten, auf dem auch das Programm mit Gaillot aufgeführt war, was vor allem Luis interessierte.

Als ich dann von Bonn aus Frau Brückner (von der Ringeltaube - diese Unterkunft ist eine Ringeltaube hoch drei!!!) anrief, wurde ich etwas milder gestimmt, sie klang äußerst sympathisch. Nach dem Kursabend in Bonn am Mittwochabend hechteten wir also mit Sack und Pack (immerhin hatten wir für 7 Wochen alles in den Koffern) zum Bahnhof, um nach Mainz zu fahren. Der Zug hatte eine Stunde Verspätung ... Die Fahrt war dann sehr schön und Luis bewunderte die vielen Schlösser. Am Bahnhof mit viel Verspätung angekommen, wartete Frau Brückner auf uns, die ich irgendwie sofort erkannte (sie hatte sich als ältere grauhaarige Frau beschrieben) und ins Herz schloss. So was von herzlich, lieb und einfach und unkompliziert muss man ja suchen, um es zu finden.

Die Unterkunft erwies sich als äußerst komfortabel, der Arzt als "normaler Mensch", kurz die ganze Atmosphäre in dem Haus war einfach einladend. Frau Brückner hatte auch gleich ein Programm mit allem drum und dran für uns bereit, das wir bei einem Imbiss studierten. Und da fielen uns fast die Augen aus dem Kopf. Da war ja wirklich was geboten für alle "Geschmacksrichtungen". Als sie sich dann auch noch anbot, uns zu eurem Treffen zu fahren, fanden wir es schon fast zu viel Freundlichkeit. Aber da wir keine Ahnung von Mainz hatten, nahmen wir an. Und da trafen wir euch dann alle und es war einfach schön und ich dachte, es sei vielleicht doch keinen so schlechte Idee gewesen, zum Katholikentag zu fahren. (Deinen Aufruf zum Spenden und die ganze Erläuterung der finanziellen Lage der Vereinigung klang uns recht vertraut! Bei uns ist es genauso. Wir haben noch nicht mal genug, um "Rumos", unsere zweimonatige Zeitung aus den roten Zahlen rauszubekommen. Dauernd muss einer von uns noch privat in die Tasche greifen. Und wie lange wir paar Hanseln in Brasilia das noch mitmachen, weiß ich ehrlich gesagt nicht.) Auf dem Heimweg zu Fuß bekamen wir noch etwas von dem Trubel auf der Kirchenmeile mit. Natürlich verliefen wir uns noch etwas, aber alle Leute waren nett und freundlich und wiesen uns den Weg.

Am Fronleichnamsmorgen waren wir dann früh auf und wollten zum Dom zur Fronleichnamsfeier gehen, aber auf der Höhe des Elzer Hofs liefen viele Leute in eine andere Richtung. Auf unsere Frage erfuhren wir, dass es eine Messe im Zairischen Ritus gab. Da wir beide einen Afrika-Tick haben, änderten wir die Richtung und liefen denen nach. Diese Messe unter freiem Himmel dauerte fast drei Stunden und es war so schön, ich wäre noch drei Stunden geblieben. Die Leute machten alle so toll mit, ich kannte die steifen Deutschen gar nicht mehr.

Dann machten wir uns auf in die Rheingoldhalle (ich glaubt so heißt sie) und kauften uns unser eigenes Programm und seinen dort eine schöne Missions-Ausstellung. Beim Mittagessen studierten wir dann dieses Programm und machten uns wieder auf die Beine, liefen die Kirchenmeile rauf und runter, besuchten die vom Zölibat betroffenen Frauen, die verheirateten Priester, die Homosexuellen, die Altkatholiken, die Kirche von unten usw. usw., zwischendurch waren wir in der Stefanskirche mit den Chagall-Fenstern. Abends hörten wir noch die zweite Hälfte eines Orgelkonzerts in der Peterskirche (ich weiß nicht sicher, ob sie so heißt, es war die, auf deren Vorplatz am Morgen die Messe gewesen war) und dann in der Christuskirche noch die Hauptprobe für die Hohe Messe von Bach.

Was uns besonders beeindruckt hat auf dem Katholikentag, war die Vielfalt. Es war wirklich alles vertreten und es gab für alle Interessen etwas: für Junge und Alte, für Traditionsbewußte und Fortgeschrittene, für Insider und Außenseiter. Ich fand's von Minute zu Minute beeindruckender und war am Abend stocksauer auf mich selber, dass ich meiner Schwester nachgegeben hatte, am Freitagabend schon bei denen in Sinsheim bei Heidelberg aufzukreuzen statt erst am Sonntag. Aber das konnte man dann nicht mehr ändern, die hatten schon ein Familienfest auf Samstag gelegt. Irgendwann um Mitternacht fielen wir todmüde aber glücklich in die Betten.

Am nächsten Morgen waren wir aber wieder früh auf den Beinen, denn wir wollten zu Gaillot. Das war für zehn Uhr angesagt. Als wir um 9 kamen war der Saal schon fast voll, wir bekamen gerade noch Plätze in einer der letzten Reihen. Es waren Zuhörer aller Altersstufen vertreten, und wie wir nachher hörten, standen fast ebenso viele noch draußen auf der Straße und hörten wohl über Lautsprecher zu. Auch diese zweieinhalb Stunden vergingen im Fluge und wir wären auch noch länger sitzen geblieben. Gaillot beeindruckte uns besonders durch seine Einfachheit und Realitätsbezogenheit. Nichts von abstrakter Theologie, sondern immer alles am praktischen Beispiel aus dem Leben erklärt. Nach dem Mittagessen trieben wir uns noch einmal auf der Kirchenmeile herum und dann mussten wir leider Abschied nehmen, Koffer packen und mit Frau Brückners Enkelin auf zum Bahnhof und weiter zur letzten Station.

Inzwischen hat Luis hier schon für eine brasilianische Zeitschrift einen Artikel über den Katholikentag geschrieben. Wenn wir unseren Freunden davon erzählen, wundern die sich vor allem, dass man in Deutschland doch so offen ist, auch Nicht-"Stockorthodoxe" zum Katholikentag zuzulassen. Auch wir hatten den Eindruck, dass man ökumenisch in der katholischen Kirche in Deutschland weiter ist als z.B. in Brasilien, wo immer in der Predigt vor den anderen Konfessionen gewarnt wird. Mir geht das hier schrecklich auf den Wecker.

Schade, dass ich Carola Wilken nicht getroffen habe. Hab immer nach ihr Ausschau gehalten und nach ihr gefragt, aber sie war wohl immer gerade in einem anderen Zipfel von Mainz als ich. Bitte sag ihr viele Grüße. Euch allen nochmals herzlich Dank für die Mithilfe zu unserem Aufenthalt, vor allem auch Birgit und Georg Beyer. Uns hat es, wie schon erwähnt, nur Leid getan, dass wir nicht bis zum Ende bleiben konnte.

Tausend liebe Grüße an alle von uns beiden Irene mit Luis

1. Katholikentag hinter'm Stand

Ja, wo fange ich am besten an, vom Katholikentag zu erzählen? Was mir sehr in Erinnerung gebliebenen ist, sind die vielen guten und intensiven Gespräche. Es war mein erster Katholikentag hinter dem Stand, und ich hatte ehrlich gesagt nicht mit so vielen interessanten Gesprächen gerechnet.

Ich dachte, die Leute fragen mal so nach Infomaterial und gehen dann weiter. Aber ich erinnere mich an ein Gespräch mit einem Priesteramtskandidaten, bei dem sich dann auch eine Frau aus dem Publikum eingemischt hat, das sehr gut war und mindestens eine halbe Stunde gedauert hat. Sicherlich haben alle Beteiligten anschließend noch weiter geredet oder zumindest darüber nachgedacht. Interessant war auch die Aussage eines Franziskaners, der meinte, er hätte keine Probleme mit Mitbrüdern, die weggegangen sind, er könne sich durchaus vorstellen, diesen wieder in der Gemeinschaft eine Arbeitsmöglichkeit zu bieten.

Erschreckt war ich über einige Fanatiker, die trotz ihrer Jugend von vielleicht 20 Jahren so radikal und rigoros und unbelehrbar waren, dass ich es schon schlimm fand. Ein Versprecher kam lustigerweise von einem Kapuziner, bei dem Georg mich als seine Frau vorstellte; der meinte, von uns Frauen gäbe es noch viel zu wenige. Erst als er mein erstauntes Gesicht sah, meinte er: "Ich meine Kapuzinerinnen und nicht Frauen von Kapuzinern - die werden immer mehr."

Leider hatte ich wenig Gelegenheit, an offiziellen Veranstaltungen teilzunehmen. Aber Georg und ich haben uns am Donnerstagabend Bischof Gaillot gegönnt. Man kann schon sagen, gegönnt; denn ich finde diesen Bischof klasse. Er ist bescheiden und unauffällig und hat etwas zu sagen. Das war wirklich ein Erlebnis. Dazu noch etwas Lustiges: Nach dem Gaillot-Vortrag sind wir zu sechst mit dem Bus zum Bayrischen Hof gefahren. Da wir im ganzen Bus verteilt waren, rief Georg an unserer Haltestelle laut: "Alle verheirateten Priester und ihre Frauen aussteigen!" Ein Schmunzeln ging durch den Bus und dann stiegen wirklich nur wir sechs aus. Anschließend stellten wir uns draußen in Position, damit uns alle noch einmal anschauen konnten. Ein Priester, der auch im Bus war, winkte uns freundlich zu, und die übrigen Fahrgäste bekundeten uns auch ihre Sympathie. Das war lustig.

Noch etwas ganz anderes: Die Teilnahme am IKvu, die, wie ich weiß, ja aus Solidarität mit den ausgeschlossenen Gruppen stattfindet, war für mich zumindest in der Zeit, in der ich Dienste hatte, wenig attraktiv. Erstens war das IKvu-Zelt weit weg vom übrigen Geschehen, und dann waren dort auch nur noch wenige kritische Gruppen. Ich denke, die Zulassung von immer mehr kritischen Gruppen - aber eben nicht aller - auf der Kirchenmeile, soll dafür sorgen, dass sich der IKvu totläuft. Für den nächsten Katholikentag sollten wir uns diesbezüglich etwas einfallen lassen.

Auch über die Gestaltung unseres Standes sollten wir uns Gedanken machen. Georg fand ihn zu lieblos. Was ich aber toll fand, war, dass einige täglich angereist kamen, um uns am Stand zu unterstützen. Das war wirklich Einsatz und Solidarität, die gut getan haben. Zusammenfassend kann ich sagen, dass wir zwar wohl alle ganz schön geschafft waren, aber trotzdem möchte ich die Begegnungen und Gesprächen nicht missen. Außerdem bot der Katholikentag auch die Gelegenheit, einige "Mitstreiter" aus der Vereinigung näher kennenzulernen, und das war toll.

Birgit Beyer

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Literatur zum Zölibat

  • Oh, Gott! Kreuzweg Zölibat +

    Loser Friedli Gabriella Loser Friedli, Oh, Gott! Kreuzweg Zölibat, Wörtersee-Verlag, 2014

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  • Ich bin auf den Grund gegangen +

    Zellner Lorenz Zellner, Ich bin auf den Grund gegangen - aber nicht zugrunde, Verlag epubli GmbH, 2013 , 14,80 €

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  • Zölibat und Frau +

    BuchtitelLuise Rinser, Zölibat und Frau, Verlag Echter, 1967

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  • Zehn Argumente für den Zölibat +

    Buchtitel Hans Conrad Zander, Zehn Argumente für den Zölibat. Ein Schwarzbuch, Verlag Patmos, 2006, 7,95 €

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