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Kirche am Stadtrand von Karlsruhe
Persönliche Eindrücke - Wahrnehmungen - Deutungen vom KVU

Wenn ich an die Zeit vom 17. - 21.6.92: "Katholikentag Karlsruhe" zurückdenke, kommen mir 4 Bereiche schwerpunktartig in den Sinn. (Wenn ich die einzelnen Bereiche jetzt anspreche, liegt in der Aufzählung keine Wertung). Da ist zunächst einmal die freundschaftliche Selbstverständlichkeit mit der uns evangelische Christinnen und Christen Gastfreundschaft erleben ließen. An dieser Stelle danke ich Ruth und Christel noch einmal herzlich; auch dafür, dass sie für viele Mitglieder der Vereinigung Quartiere besorgt haben. Bei allen Aktivitäten blieb jedoch das eine oder andere Gespräch nicht nur an der Oberfläche. Mir hat dieses selbstverständliche Christsein miteinander gut getan.

Besonders gern denke ich an den Gottesdienst in der Stadtkirche zurück, den ich mit Clemens Wilken vorbereitet, durchgeführt und erlebt habe. Clemens hatte es übernommen, Texte und Fürbitten zusammenzutragen. Mir ist es ein Anliegen, dass uralte Gebärden, Bewegungen, Tanz wieder einen Platz im liturgischen Geschehen bekommen. Für mich ist die gewohnte Form eines Gottesdienstes: Wort - reduzierte Gebärde - Priester als Funktionär, sehr einseitig, sehr verkopft und ich suche nach Wegen, Glauben ganzheitlich, mit Kopf, Herz, Händen und Füßen zu erleben, zu erspüren.

Tanz und Gebärde sind da für mich eine Möglichkeit, aus erstarrten, rigiden Formen auszubrechen, aufzubrechen, dem Glauben "Beine zu machen". Mit ähnlichen Gedanken und der Bitte: "Kommt geht mit" habe ich die Teilnehmerlnnen zu Beginn eingeladen, aus ihren Bänken herauszukommen und sich im unteren Teil der Kirche zu versammeln. In langen Ketten - verbunden durch eine Hand, die auf den Schultern der Vorderfrau / des Vordermannes lag - sind wir im Pilgerschritt zur Musik von "Ubi caritas et amor, Deus ibi est - Wo die Liebe und Güte, da ist Gott" langsam eingezogen. Zwischendurch wurde ein Text von W. Willms aus "Der geerdete Himmel" vorgetragen. Ich hatte den Eindruck, dass die Idee des Pilgerns, des "Auf dem Weg sein", des Verweilens, des Hörens - trotz der kurzen Zeit - deutlich wurde.

Vermutlich wird Clemens selbst etwas zu den Texten sagen, die er zusammengetragen hat. Für den Auszug hatte ich ein Lied gewählt, das geradezu durch seine Worte zu Bewegung und Gebärde einlädt: "Schritt für Schritt und Hand in Hand durch's ganze Land mit Gott im Spiel - unser Ziel".

Zu zweit oder zu dritt sind wir singend und tanzend durch den Kirchenraum gezogen und nach draußen. Kinder aus den 4. Schuljahren hatten kleine Blumen vorbereitet, die wir den Besucherlnnen mit auf den Weg gegeben haben. Wir hatten allerdings nicht mit so vielen Menschen gerechnet, und so gab es nicht für alle etwas.

Ich denke und wünsche mir, dass die Be-Weg-ung, die so entsteht, sich nicht mehr an vorgegebenen festen Formen aufhält, sie sucht sich eigene Wege und Weggefährtlnnen.

Mit Reinhold Wanke zusammen habe ich einige Interviews für verschiedene Rundfunkanstalten gegeben. Die ähnlich lautenden Fragen der Reporter bezogen sich:

1. auf die eigene Geschichte,
2. auf die "Ausarbeitung" dieser Geschichte,
3. auf die jetzige Situation,
4. auf die "Vereinigung kath. Priester und ihrer Frauen".

Mir persönlich war es wichtig, Fragen und Aussagen besonders zu den Punkten 2 und 3 zu machen. Nach einem langen Prozess des Suchens und Fragens, unterstützt und ermutigt durch viele menschliche Anteilnahme war es für mich eine Herausforderung, mich mit meiner Geschichte zu stellen, Stellung zu beziehen. Wir haben in den 9 Jahren, die Norbert und ich miteinander leben, nie unsere Verbindung verheimlicht oder versteckt, wir haben sie gelebt und das haben viele Menschen gesehen, verstanden - oder auch nicht, akzeptiert, sich mit uns gefreut u.ä. mehr.

In den letzten Wochen und Monaten sind Menschen zu uns gekommen, die ihre Verbindung so nicht leben können dürfen, wollen, aus was für Gründen auch immer. Das war für mich der Anstoß noch deutlicher aufzutreten, laut und vernehmlich zu sagen: den Weg, den eine Frau und ein Mann, der Priester ist, gehen, ist nicht ein Weg des Scheiterns und des Schuldig-Werdens, sondern ein Weg, der menschliche, d.h. ganzheitliche Entwicklung anstrebt, zulässt und möglich machen kann. Und es ist mein bzw. unser Weg, für den ich bzw. wir die Verantwortung übernehmen.

In diesem Zusammenhang ist mir auch wichtig, deutlich zu machen, dass wir - ob Mann oder Frau - uns nicht in der Position oder Rolle als Opfer gefangen halten. Es kann sein, dass wir Tätigkeiten und Arbeitsbereiche, die uns wichtig sind und die uns viel bedeuten, aufgeben müssen und aufgegeben haben. Wenn wir in diesem Zusammenhang aber nur nach rückwärts schauen bleiben wir Gefangene unseres Selbst. Dies sind zwei Punkte, die sich aus dem Problemkreis "Priesterfrau - Priestermann" ergeben können. Sie sind in meinem persönlichen Prozess sehr deutlich geworden und ich erlebe sie in Gesprächen mit anderen Paaren häufig wieder. Auch hier denke ich, dass Reinhold aus seiner Sicht etwas mitteilen wird.

Bei der Arbeit am Stand der VkPF ist mir aufgefallen, dass neben der Information, die viele Menschen aufnahmen, sich anhörten, uns viel Zustimmung, ja Ermutigung ausgesprochen wurde. Mir ist niemand in diesen Tagen begegnet, der sich auf eine Auseinandersetzung einließ. Die Möglichkeit, dass neben dem zölibatär lebenden Priester auch verheiratete Priester oder Frauen zum Priesteramt zugelassen werden sollen, war für Menschen, mit denen ich gesprochen habe, selbstverständlich.

Gefreut habe ich mich über das Da-sein einiger anderer Mitglieder der Vereinigung, das Wiedersehen mit Freunden aus der altkatholischen Kirche und auch Menschen aus der hiesigen Gemeinde. Die Veranstalter des KVU haben sich bemüht, den hässlichen Messeplatz so freundlich wie möglich zu gestalten. Und doch denke ich, hätte Karlsruhe schönere Plätze gehabt und die KVU einen besseren Platz verdient.

Elisabeth Levenig


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Literatur zum Zölibat

  • Oh, Gott! Kreuzweg Zölibat +

    Loser Friedli Gabriella Loser Friedli, Oh, Gott! Kreuzweg Zölibat, Wörtersee-Verlag, 2014

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  • Ich bin auf den Grund gegangen +

    Zellner Lorenz Zellner, Ich bin auf den Grund gegangen - aber nicht zugrunde, Verlag epubli GmbH, 2013 , 14,80 €

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  • Zölibat und Frau +

    BuchtitelLuise Rinser, Zölibat und Frau, Verlag Echter, 1967

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  • Zehn Argumente für den Zölibat +

    Buchtitel Hans Conrad Zander, Zehn Argumente für den Zölibat. Ein Schwarzbuch, Verlag Patmos, 2006, 7,95 €

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