Logo schmal

Am Freitag um 7.30 Uhr saßen wir, d. h. Mechthild, Friedrich, meine Frau und ich um den Frühstückstisch, um den Tag nach der Eröffnung des Katholikentages zu beginnen. Gemeinsam führen wir dann zu unserer Pfarrkirche “Heilig Geist”, weil dort Bischof Kamphaus den Gottesdienst feiern sollte und meine Frau Ilse und ich im Kirchenchor mitsingen sollten. Der Bischof ging in seiner Ansprache von den Segensworten über die Osterkerze: “Sein ist die Zeit”, - das Motto des Katholikentages aus. Jesus, der als der Auferstandene zu Christus wurde, ist das Licht der Welt, das Symbol der Osterkerze in unserer Mitte sagt uns, dass er unter uns lebt und wirkt. Damit sei die Zeit reif, in seinem Auftrag zu handeln. Mit dieser Losung - die Zeit sei reif - machten wir uns an unser Tagewerk. Mechthild und Friedrich fuhren zur Halle der Begegnung, Ilse und ich nach Hause.

Nach dem Mittagessen wollte ich meine neugewonnenen Schwestern und Brüder in der Halle der Begegnung aufsuchen, um ihnen Kuchen zu bringen für eine Tasse Kaffee am Nachmittag. Doch vor den Toren der Halle der Begegnung standen die Wächter und versperrten mir den Weg. Alle meine Überredungskunst schlug fehl; keine Chance. Ich fragte mich, was ist eigentlich Begegnung? Für mich ist es mehr als ein Treffen, als ein zufälliges Zusammenkommen. Für mich ist Begegnung ein Zusammentreffen vieler Aspekte, die ich in meinem Herzen aufbewahren kann und die ich mir durch mein Erinnerungsvermögen immer wieder gegenwärtig machen kann. Somit bekommt für mich Begegnung etwas dauerhaftes, etwas wie Ewigkeit, etwas göttliches. Eine Stimme rief mich in die Wirklichkeit zurück: “Ohne Eintrittskarte kann ich Sie leider nicht einlassen.”

So besorgte ich mir eine Karte (Abendkarte ab 17 Uhr für 15,00 DM) und trat in die Halle. Hier fand ich trotz dicker Luft, Leben und gute Laune, gemeinsames Singen, gemeinsames Malen und Gestalten, gemeinsames Tanzen und Klatschen zu neuen Rhythmen, Musizieren und Debattieren. Menschen zogen von einer Gruppe zur anderen, liefen von einem Stand zum anderen. Da waren auch Stände für verschiedene Missionsgesellschaften. Zwanzig Jahre war auch ich Mitglied einer Missionsgemeinschaft. Von den 20 Jahren war ich fast 13 Jahre in der Mission in Südafrika tätig. Lernte Land und Lebensweise der Zulus kennen. Ich begann sie zu verstehen und zu lieben. Allein als ich erkennen mußte, dass man glaubt, diese einfachen Menschen bekehren zu müssen dadurch, dass man ihnen Gesetze und Vorschriften aufbürdet, da wurde ich an Lk 11,46 erinnert: “Weh euch, ihr Schriftgelehrten! Ihr bürdet den Menschen unerträgliche Lasten auf, Ihr selbst aber rührt mit keinem Finger an die Lasten!”

Ich befand mich mitten in dieser Angelegenheit und es begann bei mir zu kriseln, d. h. ich wurde sehr kritisch, was unsere Missionsmethode betraf. Als ich dann auf einer großen Missionsstation mit einem Zulupriester zusammenarbeiten sollte, der so alt war wie ich, lehnte ich die hergebrachte Arbeitsweise Pfarrer - Kaplan entschieden ab. Wir versuchten als ein Team zu arbeiten. Das machte uns Spaß, und wir hatten viel Freude an unserem Beruf. Die Zulus nannten uns liebevoll “der Zwilling”. Aber beim Bischof und bei manchen der Mitbrüder galten wir als äußerst unbequem, weil wir manche Gewohnheiten umstellten und manches Meeting sprengten.

Schließlich machte der Bischof dem ganzen ein Ende, mit den Worten: ”Warum müßt ihr alles verändern; wieso könnt ihr nichts beim alten lassen!” Ich mußte erkennen, dass leider das Gesetz und nicht die Liebe in der Kirche zu regieren scheint. In meiner Begegnung mit diesen lieben Menschen aus dem Zululand kam mir die Erkenntnis, dass Gesetze nur eine Nebenerscheinung sind, die notwendig ist, die mitmenschlichen Beziehungen zu steuern. Aber schon gar nicht, um Gott zu befriedigen, Gott, der alle Menschen liebt, die Zulus eingeschlossen. In einsamen Stunden befaßte ich mich mit der Lektüre von Hans Küng über die Unfehlbarkeit des Papstes und mir wurde klar, dass “der Fisch schon vom Kopf her zu riechen begann”.

So fand ich allmählich zu Ilse zurück, die ich als junge Witwe kennengelernt hatte, bevor ich nach Afrika auszog. Damals bat sie mich, ob sie mir ab und zu einmal schreiben dürfe. Somit war ich über den Fortschritt in der Familie unterrichtet. Nach langem hin und her, zog ich nach Hamburg zu Ilse und den Kindern, die mich wie selbstverständlich als ihren Vater anerkannten. So fand ich wieder Verständnis, Liebe und Geborgenheit. Doch inzwischen fand ich auch in der Halle der Begegnung unseren Stand der “Vereinigung kath. Priester und ihrer Frauen“. Auch in dieser Gemeinschaft fühle ich mich seit der ersten Begegnung wie zu Hause. An unserm Stand herrschte reges Treiben, besonders der Kurzfilm, der ständig ablief und die Leute, die davor standen, über die VkPF informierte.

An Bistrotischen standen Gruppen mit “unseren Leuten” und tauschten sich aus. Unterschriften wurden gesammelt. Das Interesse an unserer Arbeit ist sehr groß, denn die Zeit ist reif für einen neuen Aufbruch. Bei den Zulus wird ein junger Mensch erst zum Mann, wenn er sich mit einer Frau verheiratet und somit zeigt, dass er bereit ist zur Liebe und dazu, auch Verantwortung zu übernehmen. Somit macht nur die Frau den Mann zum Manne. Wie es ja uns auch die alttestamentliche Weisheit lehrt. Um 20 Uhr mußten wir den Stand schließen.

Am Abend saßen wir zwar erschöpft, aber in fröhlicher Runde beim “Griechen” gegenüber den Messehallen. Klaus und Christa Thoma waren auch in unserer Mitte. Es wurden Erfahrungen ausgetauscht und neue Erkenntnisse debattiert. Um 22.30 Uhr meldeten sich Müdigkeit und Erschöpfung zurück und wir traten die Heimfahrt an.

Dann kam die nächtliche U-Bahnfahrt durch Hamburg. Auf dem Display im Waggon erschien die negative Äußerung von Herrn Dyba aus Fulda über den Katholikentag. Es wäre “seichter Schwachsinn”. Keine Reaktion. Was kann man schon von “einem schwarzen Schornsteinfeger oder weißen Schimmel” erwarten???

“Nächste Haltestelle: WARTENAU “ meldete der Lautsprecher. Ja, wie lange stehen wir schon in WARTENAU?

Seit 23 Jahren bin ich fast schon mit Ilse verheiratet, geächtet von der Kirchenleitung, doch liebevoll angenommen von einem Großteil der Gemeinde.

Mit großer Freude erwarteten Ilse und ich die Freunde aus der VkPF. Von überall kamen sie herbei. Wir trafen sie auf unserer sonnigen Terrasse und später im Partykeller. Zwar kannten wir sie fast alle nur aus dem Mitteilungsblatt, aber es war sofort eine Seelenverwandtschaft zu spüren und kein Problem, sie als Schwestern und Brüder in die Arme zu schließen. Hierbei möchte ich allen danken, die bei uns waren und auch denen, für die wir die Unterkünfte besorgen durften. Sie haben überall einen sehr positiven Eindruck hinterlassen. Was ja auch für unsere Solidarität sehr wichtig ist, denn die Gemeindemitglieder haben sie mit großer Spannung erwartet und waren sehr beeindruckt.

Friedrich Nietzsche schreibt: “Wer einst den Blitz zu zünden weiß, muß lange Wolke sein.” Schwere Gewitterwolken hängen schon lange über den christlichen Kirchen. An diesem Abend des zweiten Tages des Katholikentages hatte denn auch so etwas wie ein Wetterleuchten stattgefunden. Verschiedene christliche Kirchen hatten eine gemeinsame Abendmahlfeier mit Fladenbrot und Wein veranstaltet. Auch ein beherzter kath. Priester war unter ihnen. Am Sonntagmorgen wagten selbst die offiziellen Leiter der christlichen Gemeinschaften sich aus den Schützengräben zu einem ökumenischen Abschluß auf dem Rathausplatz. Gewiß sollten wir verstehen, dass die Tragweite dieses Schrittes in die richtige Richtung sehr relativ ist. In einem überwiegend evangelischen Bereich wie Hamburg ist es nichts neues, aber ich kann mir vorstellen, dass es in einer überwiegend kath. Gegend ein wesentlicher Schritt nach vorne sein könnte, wenn man es nicht dabei bleiben läßt. Allerdings in Spanien, Italien und vor allem im Vatikan könnte es ein Wetterleuchten sein.

Hier in Hamburg scheint es weiter zu gehen und ich bin der Überzeugung, dass der Geist weht, wo er will.

Ferdinand Hofmann

 


Anmelden

VkPF auf Facebook

Sie finden Beiträge und Hinweise zur VkPF auf unserer Facebook-Seite. Besuchen Sie uns dort!

Hinweis

Damit das Angebot dieser Webseite immer weiter optimiert werden kann, nutzen wir das Analysetool Piwik, um das Nutzerverhalten auf unserer Webseite anonymisiert zu erfassen. Dabei werden weder personenbezogene Daten noch die vollständige IP-Adresse, die einen Rückschluss auf die Person des Nutzers/der Nutzerin zulässt, gespeichert. Wenn Sie/Ihr dennoch dem Einsatz von Piwik widersprechen wollen/wollt, so ist dies über den Menüpunkt "Impressum" möglich. Dieser Hinweis erfolgt gemäß § 15 Abs. 3 TMG.

Literatur zum Zölibat

  • Oh, Gott! Kreuzweg Zölibat +

    Loser Friedli Gabriella Loser Friedli, Oh, Gott! Kreuzweg Zölibat, Wörtersee-Verlag, 2014

    Weiterlesen
  • Ich bin auf den Grund gegangen +

    Zellner Lorenz Zellner, Ich bin auf den Grund gegangen - aber nicht zugrunde, Verlag epubli GmbH, 2013 , 14,80 €

    Weiterlesen
  • Zölibat und Frau +

    BuchtitelLuise Rinser, Zölibat und Frau, Verlag Echter, 1967

    Weiterlesen
  • Zehn Argumente für den Zölibat +

    Buchtitel Hans Conrad Zander, Zehn Argumente für den Zölibat. Ein Schwarzbuch, Verlag Patmos, 2006, 7,95 €

    Weiterlesen
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6