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Vereinigung katholischer Priester und ihrer Frauen e.V.
Klaus Thoma, 1. Vorsitzender

Flintbek, den 19.09.1987

Lieber Mitbruder!

Sie selber werden den einen oder anderen Priester als Mitbruder im Amt verloren haben, weil dessen Liebe und Entschluss zu heiraten zum Amtsentzug führten. Sie werden darüber betroffen gewesen sein. Die vielen Dispensen des Papstes Paul VI. zeigen dann auch, unter welch ungeheurer Belastung der Klerus der ganzen Welt durch das Zölibatsgesetz steht. Etwa 80.000 katholische Priester haben geheiratet. Das sind ein Fünftel des Weltklerus. Davon heirateten etwa 46.000 mit römischer Dispens. Diese Zahlen machen ein für allemal deutlich, dass die Probleme mit dem Zölibat nicht die Privatsorgen einzelner Priester sind, sie sind vielmehr in der Sache begründet.

Auch das ursprüngliche Zeichen einer begnadeten und frei gelebten Ehelosigkeit wird wegen der gesetzlichen Verpflichtung weithin nicht mehr verstanden. Und dies trägt zu der Entfremdung zwischen kirchlichem Leben und dem des Alltags bei. Da lange Gewohnheiten ihr Eigengewicht haben, wird auch die Koppelung von Zölibat und Priesteramt nicht überwunden werden ohne unser Beten und Arbeiten.

Das aber ist der Weg der "Vereinigung katholischer Priester und ihrer Frauen e.V.". Das Schweigen hat ein Ende. Von Italien ausgehend haben sich weltweit, seit 1984 auch in der Bundesrepublik Deutschland, verheiratete katholische Priester und ihre Frauen zusammengetan. Die Vereinigung verfolgt als Ziele, z.B. verheiratete Priester aus der Isolation herauszuführen, in der sie sich durch Mentalität und Maßnahmen unserer Kirche vorfinden, weiterhin ausgeschiedenen Priestern, die beruflich vor dem Nichts stehen, und auch deren Frauen im Rahmen unserer Möglichkeiten zu helfen.

Schließlich setzt sich die Vereinigung dafür ein, dass die Verknüpfung von priesterlichem Amt und Zölibatsverpflichtung aufgehoben wird und eine Gleichstellung von ehelosen und verheirateten Priestern erfolgt. Das geht nicht von heute auf morgen. Wir wollen mit den Gemeinden, den Priestern im Amt und den Bischöfen die anstehenden Probleme aufgreifen und lösen und den Boden für eine tiefgreifende Änderung vorbereiten. Auf diesem Weg finden immer mehr Männer und Frauen aus den Gemeinden und Priester im Amt zur Vereinigung.

Wir laden auch Sie ein, unsere Vereinigung zu unterstützen, ihr vielleicht zu schreiben oder gar ihr beizutreten. Kontakt können Sie zur Vereinigung aufnehmen über den Absender auf dem Umschlag oder über eine der Adressen, die Sie auf diesen Seiten finden. Wir freuen uns auf eine Nachricht von Ihnen.

Im Namen der Vereinigung grüße ich Sie herzlich

Klaus Thoma

 

19. September 1987

Richard Lipold, Pfarrer i.R. (geb. 1913/geweiht 1938)
Priester d. Erzbistums München
Wolfgang Kroker, Pfarrer (geb. 1936/geweiht 1966)
Priester des Bistums Osnabrück
Norbert Erkens, Pfarrer (geb. 1925/geweiht 1953)
Priester des Bistums Aachen
Wolfgang Eifler, Kaplan (geb. 1957/geweiht 1986)
Priester des Bistums Mainz

An die katholischen Priester der Bistümer in der Bundesrepublik Deutschland

Liebe Mitbrüder!

Wir wenden uns an Euch mit einem Thema, über das unter uns wenig gesprochen wird, der anhaltenden Verknüpfung von priesterlichem Amt und Pflichtzölibat. Wir sind im Amt, wollen es auch bleiben und haben keine Heiratspläne, wir machen uns aber Sorgen um unsere Kirche und wollen nicht länger schweigen zu einem Problem, dessen praktische Auswirkungen diejenigen unter Euch am besten kennen, die mehrere Gemeinden zu betreuen haben. Vielen von uns verlangt der Zölibat Energie ab, die sonst in eine kraftvolle und evangeliengemäße Gemeindearbeit fließen könnte. Das Charisma der Ehelosigkeit kann sich in der gesetzlichen Verknüpfung von Priestertum und Zölibat nicht entfalten. Verheiratete Priester würden auch in der Ehe- und Familienpastoral glaubhafter beraten und wirken, als wir es jetzt können. Die praxisnahe Frömmigkeit einer Priesterfamilie würde den Gemeindedienst des priesterlichen Ehemannes und Vaters wirksam fördern.

Wir können nicht mehr einsehen, dass unsere Kirche an einer Regelung festhält, die von den meisten Katholiken nicht mehr verstanden wird. Eine Regelung, die im Mittelalter mit der Forderung nach kultischer Reinheit und aus politisch/wirtschaftlichen Gründen eingeführt worden ist: Dürfen wir weiterhin zulassen, dass jungen Männern der Weg zum Priestertum versperrt wird, nur weil sie auch die Berufung zum Ehemann und Vater spüren? Darf das Zölibatsversprechen euch weiterhin um seiner selbst willen abgelegt und eingefordert werden?

Es geht uns nicht darum, aus einer Zeitgeist-Strömung des Sexismus und der Emanzipation heraus alles und jedes haben zu wollen und tun zu dürfen. Wir sehen nur, dass Priestertum und Ehe miteinander vereinbar sind, dass dies biblisch ist, lange Jahrhunderte in der Frühzeit der Kirche die Praxis war und in der Ostkirche heute noch ist. Wenn Ihr diesen Überlegungen, vielleicht auch nur zum Teil, zustimmen könnt, dann denkt bitte darüber nach, ob Ihr den Mut aufbringt, nicht länger zum Pflichtzölibat zu schweigen: Seit Jahrhunderten hat er viel Unheil und Leid gebracht, sein Sinn wird immer zweifelhafter, nicht nur bei den unmittelbar Betroffenen, sondern auch bei den Gemeinden.

Den umseitigen Brief empfehlen wir Eurer sorgfältigen Lektüre, sein Anliegen Eurem Engagement.

Grüß Gott!

Eure

gez.
Richard Lipold
Wolfgang Kroker
Norbert Erkens
Wolfgang Eifler


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Literatur zum Zölibat

  • Oh, Gott! Kreuzweg Zölibat +

    Loser Friedli Gabriella Loser Friedli, Oh, Gott! Kreuzweg Zölibat, Wörtersee-Verlag, 2014

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  • Ich bin auf den Grund gegangen +

    Zellner Lorenz Zellner, Ich bin auf den Grund gegangen - aber nicht zugrunde, Verlag epubli GmbH, 2013 , 14,80 €

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  • Zölibat und Frau +

    BuchtitelLuise Rinser, Zölibat und Frau, Verlag Echter, 1967

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  • Zehn Argumente für den Zölibat +

    Buchtitel Hans Conrad Zander, Zehn Argumente für den Zölibat. Ein Schwarzbuch, Verlag Patmos, 2006, 7,95 €

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