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Grußwort für die Vereinigung katholischer Priester und ihrer Frauen

Liebe Brüder und Schwestern,

Sie haben mich um ein Grußwort gebeten, und ich komme diesem Wunsch gerne entgegen. Natürlich habe ich mich gefragt, was ich Ihnen bei dieser Gelegenheit sagen soll. Meine Veröffentlichungen zeichnen sich - glücklicherweise oder leider? - dadurch aus, dass sie überaus lang aktuell bleiben. Das liegt weniger an meinen tiefen Einsichten als am Widerstand einer kirchlichen Hierarchie, die sich total taub stellt gegenüber im Grunde selbstverständlichen Reformforderungen. Lassen Sie mich deshalb wiederholen, wie ich die Kirche der Zukunft als eine Gemeinschaft in "Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit" sehe und sie im Anschluss an die urkirchliche Gemeindeordnung schon mehr als einmal skizziert habe:

"Die Kirche als Gemeinschaft von Freien, freien Männern und Frauen! Keinesfalls darf sie als eine Herrschaftsinstitution oder gar als eine Großinquisitorin erscheinen. Vielmehr müsste sich die Freiheit in der Gestaltung der kirchlichen Gemeinschaft ausdrücken: so dass ihre Institutionen und Konstitutionen nie wieder einen oppressiven oder repressiven Charakter haben und eine Herrschaft von Menschen über Menschen aufrichten. Die christliche Kirche folglich als ein Raum der vom Evangelium her ermöglichten Freiheit und zugleich Anwalt der Freiheit in der Welt!

Die Kirche als Gemeinschaft von grundsätzlich Gleichen, Männern und Frauen! Keinesfalls darf sie als eine Männer-, Klassen-, Rassen-, Kasten- oder Amtskirche erscheinen. Vielmehr müsste sich diese Gleichheit in der Gestaltung der kirchlichen Gemeinschaft auswirken: so dass zwar die Vielfalt der Gaben und Dienste durch keinen mechanischen Egalismus eingeebnet wird, wohl aber die fundamentale Gleichberechtigung der in sich so verschiedenen Mitglieder und Gruppierungen garantiert wird und die Verfassungsstrukturen nicht der Ungerechtigkeit und der Ausbeutung Vorschub leisten. Die christliche Kirche als Raum der Gleichberechtigung und zugleich Anwalt der Gleichberechtigung in der Welt!

Die Kirche als Gemeinschaft von Brüdern und Schwestern! Keinesfalls darf sie ein patriarchal regiertes Herrschaftssystem sein, das Menschen durch Paternalismus und Personenkult in die Unmündigkeit zurückversetzt und (bezüglich Ämtern und Repräsentation) das weibliche Geschlecht rechtlich oder faktisch ausschließt oder marginalisiert. Vielmehr müsste sich der Geist der Brüderlichkeit und Schwesterlichkeit in den Ordnungen und sozialen Bezügen der kirchlichen Gemeinschaft verwirklichen: so dass die im Grunde sich widerstrebenden demokratischen Forderungen nach größtmöglicher Freiheit und bestmöglicher Gleichheit Versöhnung in einer geschwisterlichen Solidargemeinschaft finden. Die christliche Kirche als Raum der Geschwisterlichkeit und ihr Anwalt in der Welt!"

Ihre Vereinigung gehört zu denen, die dieses Programm auf den Weg zu bringen versuchen. Ich wünsche Ihnen nie erlahmende Hoffnung und ein trotz aller trüben kirchlichen Wetterlage frohes und munteres Zusammensein.

Februar 2004

Hans Küng


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Literatur zum Zölibat

  • Oh, Gott! Kreuzweg Zölibat +

    Loser Friedli Gabriella Loser Friedli, Oh, Gott! Kreuzweg Zölibat, Wörtersee-Verlag, 2014

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  • Ich bin auf den Grund gegangen +

    Zellner Lorenz Zellner, Ich bin auf den Grund gegangen - aber nicht zugrunde, Verlag epubli GmbH, 2013 , 14,80 €

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  • Zölibat und Frau +

    BuchtitelLuise Rinser, Zölibat und Frau, Verlag Echter, 1967

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  • Zehn Argumente für den Zölibat +

    Buchtitel Hans Conrad Zander, Zehn Argumente für den Zölibat. Ein Schwarzbuch, Verlag Patmos, 2006, 7,95 €

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